Kapitel 7
Konjunktionen
Bei der Beobachtung der Wirklichkeit stellt der Mensch fest, dass häufig nicht nur eine, sondern zwei oder mehrere Einheiten gleichzeitig an derselben Handlung beteiligt sind. Ebenso kann eine einzige Einheit gleichzeitig mehrere Handlungen ausführen oder mehrere Eigenschaften besitzen.
Beispiele:
- Er und seine Frau gehen ins Kino.
- Er tanzt und singt auf der Bühne.
- Der Mann ist clever und mutig.
In diesen Beispielen werden gleichrangige sprachliche Einheiten miteinander verbunden. Grammatisch werden die verbindenden Wörter Konjunktionen oder Bindewörter genannt.
Die Konjunktion beschreibt keine Erscheinung der Wirklichkeit wie einen Gegenstand, eine Handlung oder eine Eigenschaft. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, sprachliche Einheiten miteinander zu verbinden und Beziehungen zwischen ihnen auszudrücken beziehungsweise sichtbar zu machen.
Verbindung innerhalb eines Satzes
Innerhalb einer Aussage können je nach Situation mehrere Einheiten, Handlungen, Eigenschaften oder andere Bestandteile miteinander in Beziehung gesetzt werden. Dafür stehen unterschiedliche Konjunktionen zur Verfügung. Die gewählte Konjunktion zeigt zugleich an, welche Beziehung zwischen den verbundenen Bestandteilen besteht.
und – Reihung oder Addition
Mit und werden Bestandteile miteinander verbunden, die gemeinsam gelten oder gemeinsam an einem Sachverhalt beteiligt sind.
Der Mann und seine Frau haben die Gäste begrüßt.
Hier werden zwei beteiligte Einheiten verbunden.
Sie hat ihr Kind geküsst und umarmt.
Hier werden zwei Handlungen verbunden.
Der Junge ist schlau und vernünftig.
Hier werden zwei Eigenschaften miteinander verbunden.
oder – Alternative oder Auswahl
Mit oder werden Möglichkeiten beziehungsweise Alternativen miteinander verbunden.
Der Mann oder seine Frau wird die Gäste begrüßen.
Er hat das Auto gekauft oder gemietet.
Die verbundenen Möglichkeiten werden als Alternativen dargestellt, ohne dass oder allein immer entscheiden muss, ob ausschließlich eine davon gelten kann. Das ergibt sich häufig erst aus dem Zusammenhang.
aber und sondern – Gegensatz
Mit aber und sondern können gegensätzliche Beziehungen ausgedrückt werden. Ihre Verwendung ist jedoch nicht gleich.
Er mag Hunde, aber keine Katzen.
Mit aber wird ein Gegensatz zwischen zwei Aussagen beziehungsweise Bestandteilen hergestellt.
Wir besuchen nicht Berlin, sondern Hamburg.
Mit sondern wird dagegen eine zuvor verneinte Möglichkeit korrigiert oder durch eine andere ersetzt:
nicht Berlin → sondern Hamburg
sowie – ergänzende Reihung
Sowie kann Bestandteile ergänzend miteinander verbinden:
Anna sowie Ben kommen zur Feier.
Die Bedeutung steht hier der Verbindung mit und nahe.
sowohl – als auch – verstärkte Reihung
Mit sowohl – als auch wird ausdrücklich hervorgehoben, dass beide verbundenen Möglichkeiten gelten:
Sie spricht sowohl Englisch als auch Französisch.
Nicht nur eine der beiden Sprachen, sondern beide werden eingeschlossen.
entweder – oder – Alternative
Mit entweder – oder werden zwei Möglichkeiten ausdrücklich als Alternativen gegenübergestellt:
Du bekommst entweder ein Eis oder einen Keks.
Die Konstruktion hebt die Auswahl zwischen den Möglichkeiten stärker hervor als ein einfaches oder.
weder – noch – gemeinsame Verneinung
Mit weder – noch werden mehrere Möglichkeiten gemeinsam ausgeschlossen:
Er hat weder Zeit noch Lust.
Damit werden beide Aussagen verneint:
Er hat keine Zeit.
Er hat keine Lust.
→ Er hat weder Zeit noch Lust.
Verbindung von Sätzen
Menschen können in einer Kommunikationssituation über zwei oder mehrere Sachverhalte Aussagen machen. Jeder Sachverhalt kann zunächst in einem eigenen Satz ausgedrückt werden.
Zum Beispiel:
Der Junge lernt Deutsch.
Der Junge arbeitet.
Beide Sachverhalte können jedoch miteinander in Beziehung gesetzt und innerhalb einer gemeinsamen Aussage verbunden werden:
Der Junge lernt Deutsch, und er arbeitet.
Ebenso:
Er bleibt zu Hause.
Er ist krank.
Zwischen diesen beiden Sachverhalten besteht nicht nur eine Verbindung. Der zweite Sachverhalt kann zugleich als Grund für den ersten dargestellt werden:
Er bleibt zu Hause, weil er krank ist.
Damit zeigt sich, dass Konjunktionen bei der Verbindung von Sätzen zwei Aufgaben erfüllen können: Sie verbinden sprachlich dargestellte Sachverhalte miteinander und können zugleich anzeigen, in welcher Beziehung diese Sachverhalte zueinander stehen.
Dabei muss grammatisch unterschieden werden, ob die verbundenen Sätze gleichrangig nebeneinanderstehen oder ob ein Satz einem anderen untergeordnet wird.
Nebenordnende Konjunktionen
Können zwei Sachverhalte jeweils selbständig in einem Hauptsatz ausgedrückt werden und werden diese Hauptsätze gleichrangig miteinander verbunden, verwendet man nebenordnende Konjunktionen.
Dazu gehören beispielsweise:
und, oder, aber, sondern, denn
Beispiele:
Er lernt Deutsch, und er arbeitet.
→ zwei Sachverhalte werden miteinander verbunden.
Er lernt Deutsch, aber seine Frau arbeitet.
→ zwei Sachverhalte werden einander gegenübergestellt.
Er geht nicht ins Kino, sondern er bleibt zu Hause.
→ eine verneinte Möglichkeit wird durch eine andere ersetzt beziehungsweise korrigiert.
Er passt auf die Kinder auf, denn seine Frau muss zum Sprachkurs gehen.
→ der zweite Hauptsatz gibt einen Grund für den ersten an.
Bei einer solchen Verbindung bleiben beide Hauptsätze grammatisch selbständig:
Er passt auf die Kinder auf.
Seine Frau muss zum Sprachkurs gehen.
Die Konjunktion denn verbindet beide:
Er passt auf die Kinder auf, denn seine Frau muss zum Sprachkurs gehen.
Die für den Hauptsatz typische Satzstellung bleibt dabei erhalten. Das finite Verb steht in Aussagesätzen weiterhin an zweiter Stelle:
Er passt auf die Kinder auf.
Seine Frau muss zum Sprachkurs gehen.
→ Er passt auf die Kinder auf, denn seine Frau muss zum Sprachkurs gehen.
Die Bezeichnung nebenordnend beschreibt somit die grammatische Beziehung der verbundenen Bestandteile: Sie stehen auf derselben syntaktischen Ebene.
Unterordnende Konjunktionen
Sachverhalte können so miteinander in Beziehung stehen, dass sie sprachlich nicht als zwei gleichrangige Hauptsätze dargestellt werden. Ein Sachverhalt bildet dann den übergeordneten Satz, während ein anderer Sachverhalt diesen beispielsweise hinsichtlich seines Grundes, seiner Zeit, seiner Bedingung, seines Zwecks oder eines entgegenstehenden Umstands näher bestimmt.
Betrachten wir noch einmal:
Er bleibt zu Hause.
Er ist krank.
Beide Sachverhalte können mit einer nebenordnenden Konjunktion verbunden werden:
Er bleibt zu Hause, denn er ist krank.
Beide Teile bleiben dabei Hauptsätze.
Der zweite Sachverhalt kann jedoch auch dem ersten untergeordnet und als dessen Grund dargestellt werden:
Er bleibt zu Hause, weil er krank ist.
Die Konjunktion weil leitet hier einen Nebensatz ein und stellt zugleich eine kausale Beziehung zum übergeordneten Satz her.
Unterordnende Konjunktionen, auch Subjunktionen genannt, verbinden somit einen Nebensatz mit einem übergeordneten Satz und zeigen häufig zugleich an, in welcher inhaltlichen Beziehung die dargestellten Sachverhalte zueinander stehen.
Im eingeleiteten Nebensatz steht das finite Verb in der Regel am Satzende:
weil er krank ist
obwohl er wenig Zeit hat
wenn es morgen regnet
als ich nach Deutschland kam
Die unterschiedliche Wirkung von nebenordnenden und unterordnenden Konjunktionen lässt sich besonders gut an zwei inhaltlich ähnlichen Aussagen erkennen:
Er bleibt zu Hause, denn er ist krank.
→ denn verbindet zwei Hauptsätze.
Er bleibt zu Hause, weil er krank ist.
→ weil ordnet den zweiten Satz dem ersten unter.
Je nach Beziehung zwischen den dargestellten Sachverhalten können unterschiedliche Gruppen unterordnender Konjunktionen unterschieden werden.
Kausale Konjunktionen
Sachverhalte können in einer kausalen Beziehung zueinander stehen. Soll ein Sachverhalt als Grund oder Ursache für einen anderen dargestellt werden, können unterordnende kausale Konjunktionen wie weil und da verwendet werden.
Beispiele:
Ich bleibe zu Hause, weil es regnet.
Hier wird der zweite Sachverhalt als Grund für den ersten dargestellt:
Es regnet. → Grund
Ich bleibe zu Hause. → daraus begründetes Geschehen
Der Nebensatz kann auch vor dem Hauptsatz stehen:
Weil es regnet, bleibe ich zu Hause.
Ebenso mit da:
Da das Wetter schön ist, machen wir einen langen Spaziergang.
Wir machen einen langen Spaziergang, da das Wetter schön ist.
Die Reihenfolge von Haupt- und Nebensatz kann somit verändert werden, ohne dass sich ihre grammatische Beziehung grundsätzlich ändert. Der mit weil oder da eingeleitete Satz bleibt ein Nebensatz.
Dabei verändert sich jedoch die Satzstellung im Hauptsatz, wenn der Nebensatz vorangestellt wird:
Ich bleibe zu Hause, weil es regnet.
aber:
Weil es regnet, bleibe ich zu Hause.
Der vorangestellte Nebensatz besetzt hier die erste Position des Gesamtsatzes. Deshalb folgt im Hauptsatz unmittelbar das finite Verb.
Im Nebensatz selbst steht das finite Verb weiterhin am Ende:
weil es regnet
da das Wetter schön ist Kausale unterordnende Konjunktionen verbinden somit Sachverhalte und kennzeichnen einen davon als Grund oder Ursache des anderen.
Temporale Konjunktionen
Sachverhalte können nicht nur kausal, sondern auch zeitlich miteinander in Beziehung stehen. Soll ausgedrückt werden, wann ein Sachverhalt im Verhältnis zu einem anderen stattfindet, können temporale Konjunktionen wie als, während, bevor, nachdem, seitdem oder bis verwendet werden.
Beispiele:
Ich spielte viel, als ich klein war.
Während ich kochte, hörte ich Musik.
Er war bereits weg, bevor seine Freundin ankam.
Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren.
Temporale Konjunktionen stellen somit zeitliche Beziehungen zwischen Sachverhalten her. Dabei können insbesondere Gleichzeitigkeit sowie unterschiedliche zeitliche Reihenfolgen ausgedrückt werden.
Gleichzeitigkeit
Zwei Sachverhalte können im selben Zeitraum stattfinden:
Während ich kochte, hörte ich Musik.
Das Kochen und das Musikhören finden hier gleichzeitig statt.
Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit
Zwei Sachverhalte können auch nacheinander stattfinden:
Er war bereits weg, bevor seine Freundin ankam.
Das Wegsein liegt zeitlich vor der Ankunft der Freundin.
Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren.
Das Essen findet vor dem Spaziergang statt; aus der Sicht des Essens folgt der Spaziergang danach.
Die Begriffe Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit beschreiben deshalb keine absolute zeitliche Position. Sie geben an, wie ein Sachverhalt zeitlich zu einem anderen Sachverhalt steht.
Auch temporale Nebensätze können vor oder nach dem Hauptsatz stehen:
Ich hörte Musik, während ich kochte.
Während ich kochte, hörte ich Musik.
Die Reihenfolge der Teilsätze kann sich verändern; die durch die Konjunktion ausgedrückte zeitliche Beziehung bleibt dabei erhalten.
Konditionale Konjunktionen
Sachverhalte können so miteinander in Beziehung stehen, dass das Eintreten oder Gelten eines Sachverhalts von einem anderen Sachverhalt als Bedingung abhängig gemacht wird.
Solche Beziehungen können durch konditionale Konjunktionen wie wenn, falls oder sofern ausgedrückt werden.
Beispiele:
Wenn du lernst, wirst du die Prüfung bestehen.
Hier wird das Lernen als Bedingung für das Bestehen der Prüfung dargestellt:
Du lernst. → Bedingung
Du wirst die Prüfung bestehen. → davon abhängig dargestellter Sachverhalt
Ebenso:
Du wirst bestraft, falls du öffentliche Verkehrsmittel ohne gültigen Fahrschein benutzt.
Sofern das Wetter gut bleibt, gehen wir spazieren.
Konditionale Konjunktionen stellen somit eine Bedingungsbeziehung zwischen Sachverhalten her.
Der Bedingungssatz kann wiederum vor oder nach dem Hauptsatz stehen:
Wenn du lernst, wirst du die Prüfung bestehen.
Du wirst die Prüfung bestehen, wenn du lernst.
Die Reihenfolge der Teilsätze kann verändert werden; die konditionale Beziehung bleibt bestehen.
Dabei gibt es zwischen wenn und falls einen kleinen Bedeutungsunterschied. Wenn stellt allgemein eine Bedingung her, während falls die Bedingung häufig stärker als möglichen oder unsicheren Fall kennzeichnet:
Wenn du kommst, sprechen wir darüber.
Falls du kommst, sprechen wir darüber.
Bei falls wird stärker offengelassen, ob der betreffende Sachverhalt tatsächlich eintreten wird.
Konditionale Beziehungen lassen sich vereinfacht darstellen als:
Bedingung → davon abhängig dargestellter Sachverhalt
Finale Konjunktionen und Konstruktionen
Menschen führen Handlungen häufig nicht nur aus einem bestimmten Grund aus, sondern verfolgen damit auch ein Ziel oder einen Zweck. Ein Sachverhalt kann daher so dargestellt werden, dass er der Verwirklichung eines anderen Sachverhalts dienen soll.
Zum Beispiel:
Ich lerne viel.
Ich möchte die Prüfung bestehen.
Der zweite Sachverhalt kann als Ziel beziehungsweise Zweck des ersten dargestellt werden:
Ich lerne viel, damit ich die Prüfung bestehe.
Die Konjunktion damit leitet den Nebensatz ein und setzt den darin dargestellten Sachverhalt als Ziel oder Zweck in Beziehung zum Sachverhalt des Hauptsatzes:
Ich lerne viel. → Handlung
Ich bestehe die Prüfung. → angestrebtes Ziel
Die Beziehung lässt sich vereinfacht darstellen:
Handlung → angestrebtes Ziel / Zweck
Weitere Beispiele:
Sie spricht langsam, damit die Kinder sie verstehen.
Wir fahren früh los, damit wir rechtzeitig ankommen.
Er spart Geld, damit er später ein Auto kaufen kann.
Der finale Nebensatz kann auch vorangestellt werden:
Damit die Kinder sie verstehen, spricht sie langsam.
Damit wir rechtzeitig ankommen, fahren wir früh los.
um … zu
Wird das Ziel von derselben handelnden Person verfolgt, kann häufig eine Infinitivkonstruktion mit um … zu verwendet werden:
Ich lerne viel, um die Prüfung zu bestehen.
Sie fährt früh los, um rechtzeitig anzukommen.
Vergleichen wir:
Ich lerne viel, damit ich die Prüfung bestehe.
→ Nebensatz mit damit
Ich lerne viel, um die Prüfung zu bestehen.
→ Infinitivkonstruktion mit um … zu
Wenn Haupt- und Zielhandlung unterschiedliche Subjekte haben, kann die einfache Konstruktion mit um … zu normalerweise nicht verwendet werden. Stattdessen kann der Zweck beispielsweise durch einen Nebensatz mit damit ausgedrückt werden:
Ich spreche langsam, damit die Kinder mich verstehen.
Hier handelt ich im Hauptsatz, während die Kinder Subjekt des Nebensatzes sind. Deshalb eignet sich die einfache Konstruktion mit um … zu hier nicht.
Finale Beziehungen drücken somit aus, dass ein Sachverhalt nicht als Ursache eines anderen, sondern als angestrebtes Ziel oder Zweck einer Handlung dargestellt wird.
Konsekutive Konjunktionen und Konstruktionen
Ein Sachverhalt kann dazu führen, dass ein anderer Sachverhalt als Folge oder Konsequenz eintritt. Soll diese Beziehung sprachlich dargestellt werden, können konsekutive Konjunktionen und Konstruktionen verwendet werden.
Zum Beispiel:
Er war krank.
Er fehlte.
Der zweite Sachverhalt kann als Folge des ersten dargestellt werden:
Er war krank, sodass er fehlte.
Dabei ergibt sich folgende Beziehung:
Er war krank. → Ausgangssachverhalt
Er fehlte. → daraus eintretende Folge
Die Konjunktion sodass verbindet beide Sachverhalte und kennzeichnet den zweiten als Folge beziehungsweise Konsequenz des ersten.
Weitere Beispiele:
Es regnete stark, sodass die Straßen überflutet wurden.
Er war sehr müde, sodass er früh schlafen ging.
so … dass und dermaßen … dass
Eine konsekutive Beziehung kann auch durch Konstruktionen wie so … dass oder dermaßen … dass ausgedrückt werden:
Das Kind schrie so laut, dass alle Nachbarn wach wurden.
Er arbeitete dermaßen angestrengt, dass er völlig erschöpft war.
Hier kennzeichnet dass allein nicht die konsekutive Beziehung. Sie entsteht durch die gesamte Konstruktion:
so … dass
dermaßen … dass
Im ersten Beispiel wird zunächst eine hohe Ausprägung angegeben:
Das Kind schrie so laut …
Diese Ausprägung führt zu einer Folge:
… dass alle Nachbarn wach wurden.
Die Beziehung lässt sich daher vereinfacht darstellen:
Ausgangssachverhalt → Folge / Konsequenz
Konsekutive Beziehungen beantworten sinngemäß die Frage:
Mit welcher Folge geschieht oder besteht etwas?
Konzessive Konjunktionen
Sachverhalte können so miteinander in Beziehung stehen, dass ein Umstand eigentlich gegen das Eintreten eines anderen Sachverhalts spricht. Dennoch tritt dieser Sachverhalt ein.
Zum Beispiel:
Er besitzt keinen Führerschein.
Unter normalen Umständen wäre daraus zu erwarten:
Er fährt das Auto seines Vaters nicht.
Tatsächlich geschieht jedoch das Gegenteil:
Obwohl er keinen Führerschein besaß, fuhr er das Auto seines Vaters.
Die Konjunktion obwohl stellt hier den ersten Sachverhalt als einen Umstand dar, aufgrund dessen eigentlich ein anderer Verlauf zu erwarten wäre.
Die Beziehung lässt sich vereinfacht darstellen:
entgegenstehender Umstand → erwartbarer Verlauf
aber:
entgegenstehender Umstand → tatsächlicher anderer Verlauf
Solche Beziehungen können durch konzessive Konjunktionen und Konstruktionen wie obwohl, obgleich, obschon und auch wenn ausgedrückt werden.
Beispiele:
Obwohl er keinen Führerschein besaß, fuhr er das Auto seines Vaters.
Er lud viele Freunde ein, obgleich er wenig Geld hatte.
Er fährt Fahrrad, auch wenn es sehr kalt ist.
Konzessive Beziehungen beantworten sinngemäß die Frage:
Trotz welchen Umstands geschieht etwas?
Dabei wird der entgegenstehende Umstand nicht aufgehoben. Er besteht weiterhin, verhindert aber das tatsächliche Geschehen nicht.
Vergleichen wir:
Weil es sehr kalt ist, fährt er nicht mit dem Fahrrad.
→ Die Kälte wird als Grund für das Geschehen dargestellt.
Obwohl es sehr kalt ist, fährt er mit dem Fahrrad.
→ Die Kälte spricht gegen das Geschehen; dieses findet entgegen der daraus entstehenden Erwartung trotzdem statt.
Konzessive Konjunktionen setzen somit zwei Sachverhalte in eine Beziehung, bei der das tatsächliche Geschehen einer aufgrund des anderen Sachverhalts naheliegenden Erwartung widerspricht.
Modale Konjunktionen und Konstruktionen
Ein Sachverhalt kann einen anderen Sachverhalt hinsichtlich der Art und Weise beziehungsweise des Mittels seiner Verwirklichung näher bestimmen.
Zum Beispiel:
Ich habe die Prüfung bestanden.
Diese Aussage beschreibt zunächst nur das Ergebnis. Der Sprecher kann zusätzlich darstellen, auf welche Weise beziehungsweise wodurch dieses Ergebnis erreicht wurde:
Ich habe die Prüfung bestanden, indem ich viel gelernt habe.
Der mit indem eingeleitete Nebensatz beschreibt hier die Art und Weise beziehungsweise das Mittel, durch das der im Hauptsatz dargestellte Sachverhalt verwirklicht wurde.
Die Beziehung lässt sich vereinfacht darstellen:
Sachverhalt → Art und Weise / Mittel seiner Verwirklichung
Modale Beziehungen können unter anderem durch indem, dadurch, dass und ohne dass ausgedrückt werden.
indem
Indem beschreibt häufig, wie oder durch welches Handeln etwas erreicht beziehungsweise verwirklicht wird:
Ich habe die Prüfung bestanden, indem ich viel gelernt habe.
Er verbesserte seine Aussprache, indem er jeden Tag übte.
Sinngemäß kann gefragt werden:
Wie?
oder:
Wodurch?
dadurch, dass
Auch die Konstruktion dadurch, dass kann das Mittel oder den Umstand ausdrücken, durch den ein Sachverhalt zustande kommt:
Er öffnete die Tür dadurch, dass er den Schlüssel benutzte.
Sie verbesserte ihre Sprachkenntnisse dadurch, dass sie täglich Deutsch sprach.
Die Konstruktion macht die Beziehung zwischen Mittel beziehungsweise Vorgehensweise und Ergebnis besonders deutlich:
täglich Deutsch sprechen → dadurch → Verbesserung der Sprachkenntnisse
ohne dass
Mit ohne dass wird dagegen ausgedrückt, dass ein begleitender oder erwartbarer Sachverhalt nicht eintritt:
Sie ging fort, ohne dass sie sich verabschiedete.
Er verließ das Haus, ohne dass jemand ihn bemerkte.
Der Hauptsachverhalt findet statt, während ein anderer möglicher oder erwartbarer Sachverhalt ausbleibt:
Sie ging fort.
aber:
Sie verabschiedete sich nicht.
→ Sie ging fort, ohne dass sie sich verabschiedete.
Modale Konjunktionen und Konstruktionen können somit unterschiedliche Beziehungen ausdrücken. Sie können insbesondere darstellen, auf welche Weise, durch welches Mittel oder unter Ausbleiben welches begleitenden Sachverhalts etwas geschieht.
Mehrgliedrige Konjunktionen
Beziehungen zwischen Einheiten, Handlungen, Eigenschaften oder ganzen Sachverhalten werden nicht immer durch eine einzelne Konjunktion ausgedrückt. Manche Verbindungen bestehen aus mehreren aufeinander bezogenen Teilen, die gemeinsam eine bestimmte Beziehung kennzeichnen.
- Solche Verbindungsmittel werden als mehrgliedrige oder mehrteilige Konjunktionen bezeichnet.
- Beispiele:
- Nicht nur sie, sondern auch ihr Mann kommt.
- Entweder gehen wir spazieren, oder wir schauen einen Film.
- Der Film war zwar lang, aber sehr spannend.
- Ich mag sowohl Pizza als auch Pasta.
Einige dieser Verbindungsmittel wurden bereits bei der Verbindung innerhalb eines Satzes nach ihrer Funktion betrachtet. Hier werden sie unter einem anderen Gesichtspunkt zusammengefasst: Sie bestehen aus mehreren zusammengehörenden Teilen.
- Die einzelnen Teile stehen dabei miteinander in Beziehung und kennzeichnen gemeinsam, wie die verbundenen Einheiten oder Sachverhalte zueinander stehen.
nicht nur – sondern auch
- Mit nicht nur – sondern auch wird ausgedrückt, dass neben einem ersten Bestandteil zusätzlich ein weiterer gilt:
- Nicht nur sie, sondern auch ihr Mann kommt.
→ sie kommt
- → zusätzlich kommt ihr Mann
entweder – oder
- Mit entweder – oder werden Möglichkeiten als Alternativen dargestellt:
- Entweder gehen wir spazieren, oder wir schauen einen Film.
- → Möglichkeit A oder Möglichkeit B
zwar – aber
- Mit zwar – aber wird zunächst ein Sachverhalt anerkannt, ihm anschließend jedoch ein anderer Sachverhalt einschränkend oder gegensätzlich gegenübergestellt:
- Der Film war zwar lang, aber sehr spannend.
→ lang: wird eingeräumt
- → aber spannend: wird diesem Umstand gegenübergestellt
sowohl – als auch
- Mit sowohl – als auch wird ausdrücklich hervorgehoben, dass beide verbundenen Bestandteile gelten:
- Ich mag sowohl Pizza als auch Pasta.
→ Pizza wird eingeschlossen
- → Pasta wird ebenfalls eingeschlossen
Mehrgliedrige Konjunktionen verbinden somit sprachliche Einheiten oder Sachverhalte und können Beziehungen wie Ergänzung, Alternative, Gegensatz oder Einräumung besonders deutlich hervorheben.
Konjunktionaladverbien
Einige Wörter können Sachverhalte miteinander in Beziehung setzen, gehören grammatisch jedoch nicht zur Wortart der Konjunktionen, sondern zu den Adverbien. Aufgrund ihrer verbindenden Funktion werden sie Konjunktionaladverbien genannt.
- Beispiele sind:
- deshalb, deswegen, daher, trotzdem, dennoch, außerdem, folglich
- Konjunktionaladverbien zeigen besonders deutlich, warum zwischen Wortart und Funktion unterschieden werden muss. Sie können eine ähnliche inhaltliche Beziehung wie Konjunktionen ausdrücken, verhalten sich im Satz jedoch grammatisch anders.
Stellung im Satz
- Konjunktionen wie und, aber, denn stehen als Verbindungsmittel zwischen gleichrangigen Bestandteilen und sind selbst keine Satzglieder.
- Die Sonne scheint, und ich gehe spazieren.
- Die Sonne scheint, aber ich bleibe zu Hause.
- Konjunktionaladverbien gehören dagegen als Satzglieder zum zweiten Satz:
- Die Sonne scheint; deshalb gehe ich spazieren.
- Hier besetzt deshalb die erste Position des zweiten Hauptsatzes. Das finite Verb folgt unmittelbar:
- deshalb gehe ich …
- Ein Konjunktionaladverb kann jedoch auch an einer anderen geeigneten Position stehen:
- Die Sonne scheint. Ich gehe deshalb spazieren.
- Diese Verschiebbarkeit ist ein wichtiges Merkmal seiner Zugehörigkeit zum Satz.
Satzbau
- Bei nebenordnenden Konjunktionen bleibt die Wortstellung der miteinander verbundenen Hauptsätze grundsätzlich erhalten:
- Ich gehe spazieren, denn die Sonne scheint.
- Ich gehe spazieren, aber mein Bruder bleibt zu Hause.
- Unterordnende Konjunktionen wie weil oder obwohl leiten dagegen einen Nebensatz ein, in dem das finite Verb in der Regel am Ende steht:
- Ich gehe nicht aus, weil ich müde bin.
- Er kauft das Auto, obwohl er wenig Geld hat.
- Konjunktionaladverbien leiten keinen Nebensatz ein. Der Satz, in dem sie stehen, bleibt ein Hauptsatz:
- Ich bin müde. Trotzdem gehe ich hinaus.
- Steht das Konjunktionaladverb an erster Position, folgt aufgrund der Hauptsatzstellung unmittelbar das finite Verb und danach gewöhnlich das Subjekt:
- Trotzdem gehe ich hinaus.
- Nicht:
- Trotzdem ich hinausgehe.
Inhaltliche Funktion
- Sowohl Konjunktionen als auch Konjunktionaladverbien können anzeigen, in welcher Beziehung Sachverhalte zueinander stehen.
- Dabei können teilweise ähnliche Beziehungen mit unterschiedlichen grammatischen Mitteln ausgedrückt werden.
Kausale Beziehung
- Ich gehe spazieren, denn die Sonne scheint.
- Die Sonne scheint; deshalb gehe ich spazieren.
Konzessive Beziehung
- Obwohl ich müde bin, gehe ich hinaus.
- Ich bin müde; trotzdem gehe ich hinaus.
Konsequenz
- Es regnete stark, sodass die Straßen überflutet wurden.
- Es regnete stark; folglich wurden die Straßen überflutet.
Ergänzung
- Sie hat die Aufgabe erledigt, und sie hat ihren Kollegen geholfen.
- Sie hat die Aufgabe erledigt; außerdem hat sie ihren Kollegen geholfen.
- Konjunktionaladverbien übernehmen somit eine besondere Doppelrolle: Sie stellen inhaltliche Beziehungen zwischen selbständigen Aussagen beziehungsweise Sachverhalten her und sind zugleich Satzglieder innerhalb eines Hauptsatzes.
Der Unterschied zwischen Konjunktionen und Konjunktionaladverbien liegt daher nicht darin, dass nur Konjunktionaladverbien eine zusätzliche Bedeutung ausdrücken. Beide können Beziehungen wie Grund, Gegensatz oder Folge kennzeichnen. Sie unterscheiden sich vielmehr in ihrer grammatischen Wortart, ihrer syntaktischen Stellung und ihrem Einfluss auf den Satzbau.
Rückblick
Menschen nehmen Einheiten, Handlungen, Vorgänge, Zustände und Eigenschaften nicht nur einzeln wahr. Für ihre Erkenntnis der Wirklichkeit ist es ebenso wichtig, Zusammenhänge, Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten zwischen ihnen zu erkennen.
Auch in der Kommunikation müssen solche Beziehungen sprachlich dargestellt werden. Dafür stehen unter anderem Konjunktionen zur Verfügung.
Konjunktionen können bereits innerhalb eines Satzes unterschiedliche Bestandteile miteinander verbinden:
Der Mann und seine Frau kommen.
Sie singt und tanzt.
Der Junge ist klug und vernünftig.
Dabei zeigt die verwendete Konjunktion häufig zugleich an, in welcher Beziehung die verbundenen Bestandteile zueinander stehen. Sie können beispielsweise miteinander ergänzt, als Alternativen dargestellt oder einander gegenübergestellt werden.
Konjunktionen können darüber hinaus ganze Sätze und damit sprachlich dargestellte Sachverhalte miteinander verbinden:
Er lernt, und sie arbeitet.
Er bleibt zu Hause, weil er krank ist.
Dabei muss zwischen nebenordnenden und unterordnenden Konjunktionen unterschieden werden.
Nebenordnende Konjunktionen verbinden grammatisch gleichrangige Bestandteile oder Sätze:
und, oder, aber, sondern, denn
Unterordnende Konjunktionen leiten einen Nebensatz ein und setzen den darin dargestellten Sachverhalt in eine bestimmte Beziehung zum übergeordneten Satz:
weil, wenn, obwohl, während, damit, indem
Diese Beziehungen können unter anderem kausal, temporal, konditional, final, konsekutiv, konzessiv oder modal sein.
Dabei zeigt sich erneut, dass inhaltliche Beziehung und grammatisches Mittel nicht miteinander gleichgesetzt werden dürfen. Eine ähnliche Beziehung kann durch unterschiedliche sprachliche Mittel dargestellt werden:
Ich bleibe zu Hause, weil es regnet.
Ich bleibe zu Hause, denn es regnet.
Es regnet; deshalb bleibe ich zu Hause.
Alle drei Aussagen stellen einen kausalen Zusammenhang her. Grammatisch geschieht dies jedoch auf unterschiedliche Weise:
weil → unterordnende Konjunktion
denn → nebenordnende Konjunktion
deshalb → Konjunktionaladverb
Auch mehrgliedrige Konjunktionen wie sowohl – als auch, entweder – oder, weder – noch oder zwar – aber zeigen, dass sprachliche Beziehungen durch unterschiedliche Formen dargestellt werden können.
Für unser Grammatikmodell ergibt sich damit erneut der grundlegende Weg:
Wirklichkeit → Wahrnehmung und Erkenntnis von Beziehungen → Kommunikationsbedürfnis → sprachliche Funktion → grammatisches Mittel
Konjunktionen ermöglichen es der Sprache somit, Einheiten und sprachlich dargestellte Sachverhalte miteinander zu verbinden und ihre Beziehungen ausdrücklich darzustellen. Sie machen sichtbar, ob etwas beispielsweise ergänzt, gegenübergestellt, begründet, bedingt, zeitlich eingeordnet oder als Ziel, Folge beziehungsweise entgegen einer Erwartung dargestellt wird.
Autor: Khyal Aryubi
Version: 1.0
Veröffentlicht: 27.08.2026
Lizenz: CC BY-NC 4.0
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