Kapitel 8
Präpositionen
Einleitung
Die Wirklichkeit besteht nicht nur aus einzelnen Einheiten, ihren Eigenschaften sowie Handlungen, Vorgängen und Zuständen. Einheiten und Sachverhalte stehen zugleich in vielfältigen Beziehungen zueinander.
Betrachten wir zunächst eine einfache Aussage:
Der Mann spaziert.
Mit dem Nomen der Mann wird eine Einheit bezeichnet. Das Verb spazieren stellt eine Handlung beziehungsweise einen Vorgang dar. Die Aussage ist grammatisch vollständig. Dennoch kann eine konkrete Kommunikationssituation weitere Informationen erforderlich machen.
Vielleicht möchte der Sprecher ausdrücken, wo der Mann spaziert:
Der Mann spaziert im Park.
Vielleicht möchte er zusätzlich mitteilen, mit wem der Mann spaziert:
Der Mann spaziert mit seiner Frau im Park.
Die Aussage wird dadurch schrittweise erweitert. Dabei werden weitere Einheiten der Wirklichkeit zum dargestellten Geschehen in Beziehung gesetzt:
der Mann – spazieren – Park – seine Frau
Die bloße Nennung dieser Einheiten reicht jedoch nicht aus:
Der Mann spaziert Park.
oder:
Der Mann spaziert seine Frau im Park.
Erst durch sprachliche Mittel wie in und mit können die gemeinten Beziehungen in diesen Beispielen ausgedrückt werden:
Der Mann spaziert im Park.
Der Mann spaziert mit seiner Frau im Park.
Solche Wörter werden Präpositionen genannt.
Die Grundfunktion der Präpositionen
Präpositionen dienen dazu, Beziehungen sprachlich auszudrücken. Sie setzen dabei typischerweise eine durch ein Nomen, Pronomen oder eine Nominalgruppe bezeichnete Größe zu einem anderen Bestandteil oder Sachverhalt der Aussage in Beziehung.
Diese Beziehung kann sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen.
In:
Der Mann spaziert im Park.
wird das Spazieren räumlich zum Park in Beziehung gesetzt.
In:
Der Mann spaziert mit seiner Frau im Park.
wird zusätzlich eine Begleitbeziehung zwischen dem Mann beziehungsweise seinem Spazieren und seiner Frau ausgedrückt.
Eine Präposition kann aber auch eine Beziehung zwischen zwei nominal bezeichneten Einheiten herstellen:
Der Mann besucht das Schloss am Ufer.
Die Präpositionalgruppe am Ufer setzt hier das Schloss räumlich zum Ufer in Beziehung.
Auch Beziehungen zwischen ganzen Sachverhalten können mithilfe einer Präposition sprachlich dargestellt werden. Betrachten wir:
Es regnet.
Wir bleiben zu Hause.
Der Regen kann als Grund für das Zuhausebleiben erkannt und dargestellt werden:
Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.
Damit zeigt sich eine wichtige Eigenschaft der Präpositionen: Sie bezeichnen nicht einfach selbständig eine Einheit, eine Handlung oder eine Eigenschaft der Wirklichkeit. Vielmehr helfen sie dabei, Beziehungen zwischen sprachlich dargestellten Einheiten und Sachverhalten auszudrücken.
Präpositionen und Kasus
Einheiten, Handlungen, Vorgänge, Zustände und Eigenschaften können in der Wirklichkeit in vielfältigen Zusammenhängen und Beziehungen zueinander stehen. An einem Sachverhalt können mehrere Einheiten beteiligt sein; ebenso können Sachverhalte selbst zu anderen Sachverhalten in Beziehung stehen.
Hier interessiert uns zunächst besonders, was mit den sprachlich bezeichneten Einheiten geschieht, wenn solche Beziehungen mithilfe von Präpositionen ausgedrückt werden.
Im Kapitel über die Nomen haben wir bereits gesehen, dass Nominalgruppen in unterschiedlichen Kasus auftreten können. Dabei haben wir auch darauf hingewiesen, dass der Kasus einer Nominalgruppe durch eine Präposition bestimmt werden kann.
Betrachten wir:
Der Mann geht mit seiner Frau spazieren.
Die Präposition mit stellt hier eine Begleitbeziehung her. Gleichzeitig verlangt mit von der zugehörigen Nominalgruppe den Dativ:
mit seiner Frau
Nicht standardsprachlich wäre dagegen:
mit seine Frau
Damit stellen sich zwei unterschiedliche Grundfragen:
Warum werden Präpositionen verwendet?
und:
Warum verlangt eine bestimmte Präposition einen bestimmten Kasus – oder kann unter bestimmten Bedingungen sogar mit unterschiedlichen Kasus auftreten?
Die erste Frage betrifft die sprachliche Funktion der Präposition. Wie im vorherigen Abschnitt gezeigt wurde, dienen Präpositionen dazu, Beziehungen zwischen Einheiten und anderen Bestandteilen beziehungsweise Sachverhalten einer Aussage auszudrücken.
Die zweite Frage betrifft dagegen das grammatische System der deutschen Sprache. Warum beispielsweise mit den Dativ, durch den Akkusativ und wegen häufig den Genitiv verlangt, lässt sich im heutigen Deutsch nicht einfach aus der jeweiligen Beziehung in der Wirklichkeit ableiten. Die Verbindung zwischen Präposition und Kasus ist Teil eines historisch gewachsenen grammatischen Systems.
Für Deutschlernende bedeutet das, dass bei vielen Präpositionen der zugehörige Kasus mitgelernt werden muss:
mit + Dativ
durch + Akkusativ
wegen + Genitiv (standardsprachliche Grundstruktur)
Daneben gibt es Präpositionen, die mit mehr als einem Kasus auftreten können. Besonders wichtig sind dabei Präpositionen wie in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben und zwischen. Bei ihnen kann die Wahl zwischen Akkusativ und Dativ mit der jeweils ausgedrückten Beziehung zusammenhängen.
Diese Fälle werden im Folgenden genauer betrachtet.
Präpositionen mit Akkusativ
Zu den häufigsten Präpositionen, die den Akkusativ verlangen, gehören:
durch, für, gegen, ohne, um
Betrachten wir einige typische Verwendungen:
| Präposition | Typische Beziehung | Beispiel |
| durch | Weg durch einen Raum oder Bereich | Ich gehe durch den Park. |
| für | Zweck, Bestimmung oder Begünstigung | Sie kauft den Hut für ihren Mann. |
| gegen | Richtung, Widerstand oder Gegensatz | Das Auto fuhr gegen die Wand. |
| ohne | Fehlen oder Ausschluss | Er fährt ohne seinen Bruder. |
| um | Lage um etwas, Zeitpunkt | Wir sitzen um den Tisch. |
In allen diesen Beispielen verlangt die Präposition von der zugehörigen Nominalgruppe den Akkusativ:
durch + den Park
für + ihren Mann
gegen + die Wand
ohne + seinen Bruder
um + den Tisch
Die jeweils ausgedrückten Beziehungen sind unterschiedlich. Durch kann beispielsweise einen Weg, für eine Bestimmung oder Begünstigung und ohne das Fehlen einer beteiligten Einheit ausdrücken. Gemeinsam ist diesen Präpositionen jedoch ihre grammatische Eigenschaft, dass sie in diesen Verwendungen den Akkusativ regieren.
Präpositionen mit Dativ
Zu den häufigsten Präpositionen, die den Dativ verlangen, gehören:
aus, bei, mit, nach, seit, von, zu, gegenüber
Betrachten wir einige typische Verwendungen:
| Präposition | Typische Beziehung | Beispiel |
| aus | Herkunft oder Bewegung aus einem Inneren | Ich komme aus der Schule. |
| bei | Nähe, Aufenthalt oder Zuordnung | Er war heute bei uns. |
| mit | Mittel oder Begleitung | Er fährt mit dem Bus. |
| nach | Richtung oder zeitliche Folge | Wir fahren nach Berlin. |
| seit | zeitlicher Beginn mit Fortdauer | Er ist seit der ersten Klasse fleißig. |
| von | Ausgangspunkt, Herkunft oder Urheber | Der Brief kommt von meiner Schwester. |
| zu | Ziel oder Zuordnung | Sie geht zum Arzt. |
| gegenüber | räumliche oder vergleichende Gegenüberstellung | Das Haus liegt der Schule gegenüber. |
In allen diesen Beispielen verlangt die Präposition den Dativ, sofern der Kasus an der zugehörigen Nominalgruppe sichtbar werden kann:
aus der Schule
mit dem Bus
seit der ersten Klasse
von meiner Schwester
zu dem Arzt → zum Arzt
der Schule gegenüber
Auch hier müssen die inhaltliche Beziehung und die grammatische Kasusforderung voneinander unterschieden werden. Die Präpositionen drücken unterschiedliche Beziehungen aus: aus kann beispielsweise eine Herkunft, mit eine Begleitung oder ein Mittel und zu ein Ziel ausdrücken. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie in diesen Verwendungen den Dativ regieren.
Präpositionen mit Genitiv
Zu den häufigen Präpositionen, die den Genitiv verlangen, gehören:
wegen, während, statt, anstatt, innerhalb, außerhalb
Beispiele:
Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.
Während des Unterrichts bleibt das Telefon ausgeschaltet.
Statt des Autos nimmt er den Zug.
Innerhalb der Klasse ist Fußballspielen nicht erlaubt.
Außerhalb der Stadt sind die Wohnungen günstiger.
Die Präpositionen drücken dabei unterschiedliche Beziehungen aus. Wegen kann einen Grund, während eine zeitliche Beziehung, statt eine Ersetzung beziehungsweise Alternative und innerhalb oder außerhalb eine räumliche Abgrenzung ausdrücken.
Gemeinsam ist ihnen in den hier dargestellten standardsprachlichen Verwendungen, dass die zugehörige Nominalgruppe im Genitiv steht:
wegen des Regens
während des Unterrichts
statt des Autos
innerhalb der Klasse
außerhalb der Stadt
Bei einigen Präpositionen kommen insbesondere in der gesprochenen Sprache und je nach regionalem oder sprachlichem Gebrauch auch andere Kasus vor. Für die hier dargestellte standardsprachliche Grundstruktur wird zunächst der Genitiv zugrunde gelegt.
Wechselpräpositionen
Die Präpositionen an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor und zwischen können sowohl mit dem Akkusativ als auch mit dem Dativ auftreten. Deshalb werden sie Wechselpräpositionen genannt.
Anders als bei Präpositionen wie mit oder für hängt die Wahl des Kasus hier mit der jeweils ausgedrückten räumlichen Beziehung zusammen.
Akkusativ bei Wechselpräpositionen
Der Akkusativ wird verwendet, wenn die durch die Präposition bezeichnete räumliche Beziehung als Ziel, beziehungsweise als Entstehung oder Veränderung einer räumlichen Zuordnung dargestellt wird.
Ich lege das Buch auf den Tisch.
Das Buch befindet sich zunächst nicht auf dem Tisch. Durch die Handlung des Legens entsteht eine neue räumliche Beziehung:
Buch → auf den Tisch
Der Tisch beziehungsweise seine Oberfläche bildet dabei das räumliche Ziel.
Ein weiteres Beispiel:
Er fährt vom Fahrradweg auf die Straße.
Hier verändert sich die räumliche Zuordnung:
Fahrradweg → Straße
Die Straße ist das Ziel dieser räumlichen Veränderung. Deshalb steht nach auf der Akkusativ:
auf die Straße
Dativ bei Wechselpräpositionen
Der Dativ wird verwendet, wenn eine bereits bestehende räumliche Beziehung als Ort oder Position dargestellt wird oder wenn eine Handlung beziehungsweise Bewegung innerhalb eines bereits gegebenen räumlichen Bereichs stattfindet.
Das Buch liegt auf dem Tisch.
Das Buch befindet sich in einer bestimmten räumlichen Position zum Tisch:
Buch → auf dem Tisch
Er spaziert im Park.
Hier gibt es zwar eine Bewegung. Sie führt aber nicht erst in den Park hinein. Das Spazieren findet innerhalb des Parks statt:
spazieren → im Park
Ebenso:
Wir treffen uns in der Schule.
Die Schule wird als Ort des Treffens dargestellt:
Treffen → in der Schule
Arten präpositionaler Beziehungen
Die Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Einheiten und Sachverhalten der Wirklichkeit sind vielfältig und komplex. Deshalb können Präpositionen nicht allein danach betrachtet werden, welchen Kasus sie verlangen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Art von Beziehung sie innerhalb einer Aussage ausdrücken.
Betrachten wir einen einfachen Sachverhalt:
Die Schülerin geht zur Bibliothek.
und:
Die Schülerin geht in die Bibliothek.
Die Präposition zu verlangt hier den Dativ:
zu + der Bücherhalle → zur Bücherhalle
Inhaltlich wird zugleich eine räumliche Beziehung ausgedrückt. Die Bücherhalle wird als Ziel des Gehens dargestellt.
Der Sachverhalt kann jedoch in der Wirklichkeit in vielen weiteren Beziehungen stehen. Vielleicht möchte der Sprecher zusätzlich ausdrücken, wann die Schülerin geht:
Die Schülerin geht nach dem Unterricht zur Bücherhalle.
Nach dem Unterricht stellt das Gehen in eine zeitliche Beziehung.
Vielleicht gibt es einen bestimmten Grund:
Die Schülerin geht wegen der bevorstehenden Prüfung zur Bücherhalle.
Wegen der bevorstehenden Prüfung stellt eine kausale Beziehung her.
Vielleicht möchte der Sprecher ausdrücken, mit wem sie geht:
Die Schülerin geht mit ihrer Freundin zur Bücherhalle.
Mit ihrer Freundin drückt eine Begleitbeziehung aus.
Auch ein Zweck kann durch eine Präpositionalgruppe ausgedrückt werden:
Die Schülerin geht zur Vorbereitung auf die Prüfung in die Bücherhalle.
Zur Vorbereitung auf die Prüfung stellt das Gehen in eine finale Beziehung, also eine Zweckbeziehung.
Mehrere solcher Beziehungen können gleichzeitig Bestandteil desselben Sachverhalts sein:
Die Schülerin geht nach dem Unterricht mit ihrer Freundin zur Vorbereitung auf die Prüfung in die Bücherhalle.
Der dargestellte Sachverhalt wird dadurch unter verschiedenen Gesichtspunkten näher bestimmt:
nach dem Unterricht → zeitliche Beziehung
mit ihrer Freundin → Begleitbeziehung
zur Vorbereitung auf die Prüfung → finale Beziehung / Zweck
in die Bücherhalle → räumliche Zielbeziehung
Damit zeigt sich, dass bei Präpositionen zwei Ebenen unterschieden werden müssen. Einerseits bestimmt eine Präposition den Kasus der von ihr abhängigen Nominalgruppe. Andererseits drückt sie eine bestimmte inhaltliche Beziehung aus.
Der Kasus allein sagt dabei nicht aus, um welche Art von Beziehung es sich handelt. So können beispielsweise unterschiedliche räumliche Beziehungen sowohl mit dem Dativ als auch mit dem Akkusativ ausgedrückt werden:
Die Schülerin geht zur Bücherhalle.
→ zu + Dativ
Die Schülerin geht in die Bücherhalle.
→ in + Akkusativ
Beide Aussagen enthalten eine räumliche Zielbeziehung, obwohl unterschiedliche Kasus verwendet werden.
Präpositionale Beziehungen können daher unter anderem als räumlich, zeitlich, kausal, final oder modal beschrieben werden. Daneben gibt es weitere Beziehungen, die im Folgenden betrachtet werden.
Temporale Beziehungen
Präpositionen können Handlungen, Vorgänge oder Zustände zu Zeitpunkten, Zeiträumen, zeitlichen Grenzen oder anderen zeitlichen Gegebenheiten in Beziehung setzen. Dadurch kann beispielsweise ausgedrückt werden, wann etwas stattfindet, seit wann oder bis wann etwas andauert oder in welcher zeitlichen Beziehung Sachverhalte zueinander stehen.
Wir sehen uns am Montag.
→ Das Sehen beziehungsweise Treffen wird einem Zeitpunkt beziehungsweise zeitlich bestimmten Tag zugeordnet.
Wir treffen uns vor dem Sonnenuntergang.
→ Das Treffen wird zeitlich vor einem anderen Ereignis eingeordnet.
Er wartet seit 8:00 Uhr auf den Bus.
→ Seit 8:00 Uhr bezeichnet den Beginn eines Zeitraums, der bis zum jeweiligen Bezugszeitpunkt andauert.
Er arbeitet bis 17:00 Uhr.
→ Bis 17:00 Uhr bezeichnet die zeitliche Grenze beziehungsweise das Ende des dargestellten Zeitraums.
Er hat um 8:00 Uhr mit der Arbeit begonnen.
→ Der Beginn der Arbeit wird dem Zeitpunkt 8:00 Uhr zugeordnet.
Lokale Beziehungen
Präpositionen können Einheiten, Handlungen, Vorgänge oder Zustände räumlich zueinander in Beziehung setzen. Dabei können sie beispielsweise einen Ort, einen Ausgangspunkt, ein Ziel, einen Weg oder die Lage einer Einheit im Verhältnis zu einer anderen Einheit ausdrücken.
Sie ist in der Schule.
→ in der Schule bezeichnet den Ort des Aufenthalts.
Sie wartet bei der Polizeistation.
→ bei der Polizeistation stellt das Warten in eine räumliche Nähebeziehung zur Polizeistation.
Er geht durch den Park.
→ durch den Park bezeichnet den räumlichen Weg beziehungsweise durchquerten Bereich.
Das Bild hängt an der Wand.
→ an der Wand beschreibt die räumliche Lage des Bildes im Verhältnis zur Wand.
Der Ball liegt unter dem Tisch.
→ unter dem Tisch beschreibt die räumliche Lage des Balls im Verhältnis zum Tisch.
Das Haus steht zwischen der Schule und dem Bahnhof.
→ zwischen der Schule und dem Bahnhof bestimmt die Lage des Hauses im Verhältnis zu zwei anderen Einheiten.
Räumliche Beziehungen zeigen besonders deutlich die Grundfunktion der Präposition. Die Einheiten Bild und Wand können unabhängig voneinander bezeichnet werden. Damit ist jedoch noch nicht ausgedrückt, in welcher räumlichen Beziehung sie zueinander stehen:
das Bild – die Wand
Erst die Präposition macht die gemeinte Beziehung sprachlich sichtbar:
Das Bild hängt an der Wand.
Die Präposition an bezeichnet hier also weder das Bild noch die Wand. Sie trägt dazu bei, die räumliche Beziehung zwischen beiden Einheiten auszudrücken.
Modale Beziehungen
Modale Präpositionen können ausdrücken, auf welche Weise, mit welchem Mittel oder Werkzeug oder unter welchen Begleitumständen eine Handlung ausgeführt beziehungsweise ein Sachverhalt verwirklicht wird.
Ich fahre mit dem Bus.
→ mit dem Bus bezeichnet das Verkehrsmittel.
Sie schreibt mit einem Bleistift.
→ mit einem Bleistift bezeichnet das Mittel beziehungsweise Werkzeug des Schreibens.
Er öffnet die Tür mit einem Schlüssel.
→ mit einem Schlüssel bezeichnet das Werkzeug, mit dessen Hilfe die Handlung ausgeführt wird.
Sie trinkt den Kaffee ohne Zucker.
→ ohne Zucker kennzeichnet das Fehlen eines möglichen Bestandteils beziehungsweise Begleitumstands.
Der Brief wurde per E-Mail verschickt.
→ per E-Mail bezeichnet den Übermittlungsweg beziehungsweise das Mittel der Übermittlung.
Auch eine Begleitung kann durch eine Präposition ausgedrückt werden:
Der Mann geht mit seiner Frau spazieren.
→ mit seiner Frau bezeichnet die Begleitung des Mannes beim Spazierengehen.
Die durch eine Präposition einbezogene Einheit kann somit unterschiedliche Rollen bei der näheren Bestimmung eines Geschehens übernehmen. Der Bus ist das Verkehrsmittel, der Bleistift und der Schlüssel dienen als Mittel beziehungsweise Werkzeug, die Frau wird als Begleitung einbezogen, während ohne bei ohne Zucker gerade das Fehlen eines möglichen Bestandteils kennzeichnet.
Dabei zeigt sich erneut, dass eine Präposition nicht auf eine einzige inhaltliche Beziehung festgelegt sein muss. So kann mit je nach Zusammenhang ein Verkehrsmittel, ein Werkzeug oder eine Begleitung in Beziehung zum Geschehen setzen.
Kausale Beziehungen
Kausale Präpositionen können einen Sachverhalt zu seinem Grund oder seiner Ursache in Beziehung setzen. Zu ihnen gehören insbesondere wegen, aufgrund und dank.
Er ist wegen des Staus verspätet.
→ wegen des Staus gibt den Grund für die Verspätung an.
Wegen des Regens bleiben wir im Haus.
→ wegen des Regens stellt den Regen als Grund für das Zuhausebleiben dar.
Aufgrund eines technischen Defekts fiel der Unterricht aus.
→ aufgrund eines technischen Defekts bezeichnet die Ursache beziehungsweise den Grund für den Unterrichtsausfall.
Dank der Unterstützung konnte das Projekt abgeschlossen werden.
→ dank der Unterstützung stellt die Unterstützung als Grund beziehungsweise fördernden Umstand für den erfolgreichen Abschluss dar.
Die Präposition dank kennzeichnet den Grund häufig zugleich als positiv oder günstig bewertet. Wegen und aufgrund können dagegen grundsätzlich einen Grund oder eine Ursache bezeichnen, ohne diese selbst positiv oder negativ zu bewerten.
Konzessive Beziehungen
Ein entgegenstehender Umstand ist nicht mit einem Grund oder einer Ursache gleichzusetzen. Konzessive Präpositionen setzen einen Sachverhalt zu einem Umstand in Beziehung, der gegen das Eintreten des Sachverhalts spricht oder eine andere Folge erwarten lässt, ihn jedoch nicht verhindert. Zu ihnen gehören insbesondere trotz und ungeachtet.
Besonders deutlich wird diese Beziehung beim Vergleich von wegen und trotz:
Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.
→ Der Regen wird als Grund für das Zuhausebleiben dargestellt.
Trotz des Regens gehen wir spazieren.
→ Der Regen wird als entgegenstehender Umstand dargestellt. Man könnte erwarten, dass wegen des Regens nicht spazieren gegangen wird; tatsächlich findet das Spazierengehen dennoch statt.
Auch ungeachtet kann eine solche Beziehung ausdrücken:
Ungeachtet des Regens gehen wir spazieren.
→ Der Regen wird als ein Umstand dargestellt, der das tatsächliche Geschehen nicht verhindert. Ungeachtet hat hier eine ähnliche Bedeutung wie trotz, gehört jedoch eher zum gehobenen oder formellen Sprachgebrauch.
Die konzessive Beziehung bildet deshalb eine eigene Gruppe. Sie bezeichnet den Gegensatz zwischen einer aufgrund bestimmter Umstände erwartbaren Folge und dem tatsächlich eintretenden Geschehen.
Finale Beziehungen
Finale Präpositionen beziehungsweise präpositionale Ausdrücke können einen Sachverhalt zu einem Ziel oder Zweck in Beziehung setzen. Sie drücken aus, wozu oder zu welchem Zweck etwas geschieht, verwendet wird oder bestimmt ist. Solche Beziehungen können unter anderem mit zu, für, zwecks und behufs ausgedrückt werden.
Das Messer dient zum Schneiden.
→ zum Schneiden bezeichnet den Zweck, dem das Messer dient.
Sie lernt zur Vorbereitung auf die Prüfung.
→ zur Vorbereitung auf die Prüfung bezeichnet den Zweck des Lernens.
Das Geld ist für den Autokauf gedacht.
→ für den Autokauf bezeichnet den Zweck beziehungsweise die Bestimmung des Geldes.
Zwecks Identifikation zeigen Sie bitte Ihren Ausweis.
→ zwecks Identifikation bezeichnet den Zweck des Vorzeigens.
Er reiste behufs seiner Weiterbildung nach London.
→ behufs seiner Weiterbildung bezeichnet den Zweck der Reise.
Zwecks und besonders behufs gehören überwiegend zum formellen beziehungsweise gehobenen Sprachgebrauch. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Zweckbeziehungen häufiger mit Präpositionen und präpositionalen Ausdrücken wie für oder zu ausgedrückt.
Finale Beziehungen können außerdem durch andere grammatische Mittel ausgedrückt werden:
Sie geht in die Bibliothek, um sich auf die Prüfung vorzubereiten.
Hier wird der Zweck ebenfalls ausgedrückt, jedoch nicht durch eine Präposition, sondern durch eine um … zu-Konstruktion.
Vergleichsbeziehungen
Auch Präpositionen können dazu dienen, Einheiten, Eigenschaften oder Sachverhalte vergleichend zueinander in Beziehung zu setzen. Eine solche Verwendung findet sich beispielsweise bei gegenüber.
Gegenüber dem letzten Jahr hat sich die Lage verbessert.
→ Die gegenwärtige Lage wird mit der Lage des letzten Jahres verglichen.
Gegenüber seinem Bruder ist er sehr ruhig.
→ Sein Verhalten wird im Verhältnis zum Verhalten seines Bruders betrachtet.
Vergleichsbeziehungen können im Deutschen jedoch auch durch andere grammatische Mittel ausgedrückt werden:
Er ist groß wie sein Vater.
Sie ist schneller als er.
Das Haus ist ebenso hoch wie das Nachbarhaus.
Die Wörter wie und als sind in diesen Verwendungen keine Präpositionen. Die Beispiele zeigen vielmehr, dass dieselbe allgemeine sprachliche Funktion – Sachverhalte oder Einheiten miteinander zu vergleichen – durch unterschiedliche grammatische Mittel verwirklicht werden kann.
Stellung der Präpositionen
Die Bezeichnung Präposition bedeutet wörtlich Voranstellung. Tatsächlich stehen die meisten deutschen Präpositionen vor der Nominalgruppe, mit der sie eine Präpositionalgruppe bilden:
durch den Park
aus der Schule
am Montag
für das Kind
Nicht alle Verhältniswörter stehen jedoch vor ihrer Bezugsgruppe. Einige können ihr nachgestellt werden. In dieser Verwendung spricht man genauer von Postpositionen:
Ich gehe den Strand entlang.
→ entlang steht nach der Nominalgruppe den Strand.
Manche Verhältniswörter können sowohl vor als auch nach ihrer Bezugsgruppe stehen:
Entlang des Zauns stehen Bänke.
Ich parke dem Haus gegenüber.
Gegenüber dem Haus befindet sich ein Park.
Bei entlang und gegenüber zeigt sich zugleich, dass mit einer veränderten Stellung unterschiedliche Konstruktionen und teilweise auch unterschiedliche Kasusrektionen verbunden sein können:
entlang des Zauns → Genitiv
den Zaun entlang → Akkusativ
gegenüber dem Haus / dem Haus gegenüber → Dativ
Daneben gibt es mehrteilige Konstruktionen, bei denen Bestandteile vor und nach der Bezugsgruppe stehen. Solche Konstruktionen werden als Zirkumpositionen bezeichnet, zum Beispiel:
um des Friedens willen
→ um … willen umschließt die Nominalgruppe des Friedens.
Der übergeordnete sprachwissenschaftliche Begriff für Präpositionen, Postpositionen und Zirkumpositionen lautet Adposition. Im traditionellen Deutschunterricht wird jedoch häufig Präposition als geläufige Bezeichnung verwendet.
Auch die Stellung und Kasusrektion dieser Wörter und Konstruktionen sind Teil des historisch gewachsenen grammatischen Systems. Ihre konkrete Verwendung muss daher zusammen mit ihrer Bedeutung, Stellung und Kasusrektion betrachtet und teilweise gelernt werden.
Verschmelzung von Präposition und bestimmtem Artikel
Im Deutschen können bestimmte Präpositionen mit Formen des bestimmten Artikels zu einer gemeinsamen Wortform verschmelzen. Die Präposition behält dabei ihre Funktion, eine Beziehung auszudrücken, und auch der von ihr verlangte Kasus bleibt erhalten.
| Präposition + Artikel | Verschmolzene Form |
| an + dem | am |
| in + dem | im |
| zu + dem | zum |
| zu + der | zur |
| bei + dem | beim |
| von + dem | vom |
| auf + das | aufs |
| für + das | fürs |
| durch + das | durchs |
Auch wenn Präposition und Artikel verschmelzen, bleibt der Kasus in der verschmolzenen Form grammatisch enthalten. Für die grammatische Analyse kann die verschmolzene Form in ihre Bestandteile aufgelöst werden:
am Montag
→ an + dem Montag
→ Dativ
zum Arzt
→ zu + dem Arzt
→ Dativ
zur Schule
→ zu + der Schule
→ Dativ
aufs Bett
→ auf + das Bett
→ Akkusativ
Die Verschmelzung verändert also nicht die Kasusrektion der Präposition. Sie verändert lediglich die Form, in der Präposition und Artikel sprachlich erscheinen.
In vielen Fällen ist die verschmolzene Form die neutrale und übliche Ausdrucksweise:
Wir treffen uns am Montag.
Er wartet im Park.
Sie geht zum Arzt.
Wir fahren zur Schule.
Sie läuft durchs Tor.
Das Kind springt aufs Bett.
Die nicht verschmolzene Form kann dagegen verwendet werden, wenn der bestimmte Artikel selbstständig hervorgehoben wird oder die bezeichnete Einheit näher bestimmt beziehungsweise von anderen unterschieden werden soll:
Ich gehe zum Arzt.
→ neutrale, übliche Form
Ich gehe zu dem Arzt, den du mir empfohlen hast.
→ Ein bestimmter Arzt wird gegenüber möglichen anderen Ärzten näher bestimmt.
Die Verschmelzung ist daher nicht lediglich eine lautliche Verkürzung. Sie gehört in vielen Verbindungen zum üblichen grammatischen Sprachgebrauch, während die getrennte Form unter bestimmten Bedingungen eine stärkere Bestimmung oder Hervorhebung ermöglichen kann.
Präposition, Bedeutung und grammatische Form
Bei Präpositionen müssen mehrere Ebenen auseinandergehalten werden: die Beziehungen in der Wirklichkeit, ihre Wahrnehmung und sprachliche Deutung, die Bedeutung der verwendeten Präposition und die grammatische Form, in der die Beziehung ausgedrückt wird.
In der Wirklichkeit stehen Einheiten, Handlungen, Vorgänge und Zustände in vielfältigen räumlichen, zeitlichen, kausalen, modalen, finalen, konzessiven und anderen Beziehungen zueinander. Der Mensch nimmt solche Beziehungen wahr, deutet sie und kann das Bedürfnis haben, sie sprachlich auszudrücken.
Präpositionen sind eines der grammatischen Mittel, mit denen solche Beziehungen ausgedrückt und präzisiert werden können:
Das Bild hängt an der Wand.
→ an trägt dazu bei, die räumliche Beziehung zwischen Bild und Wand auszudrücken.
Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.
→ wegen stellt den Regen als Grund für das Zuhausebleiben dar.
Trotz des Regens gehen wir spazieren.
→ trotz stellt den Regen als entgegenstehenden Umstand zum tatsächlichen Geschehen dar.
Die Wahl einer Präposition ist jedoch nicht mit ihrer grammatischen Form gleichzusetzen. Zu dieser Form gehören unter anderem ihre Kasusrektion, ihre Stellung und mögliche Verschmelzungen mit dem bestimmten Artikel.
So verlangt mit den Dativ:
mit dem Bus
Für verlangt den Akkusativ:
für das Kind
Bei Wechselpräpositionen kann die Wahl zwischen Dativ und Akkusativ mit der dargestellten räumlichen Beziehung zusammenhängen:
Das Buch liegt auf dem Tisch.
Ich lege das Buch auf den Tisch.
Auch Stellung und Verschmelzung folgen den grammatischen Möglichkeiten des Deutschen:
gegenüber dem Haus / dem Haus gegenüber
zu + dem Arzt → zum Arzt
Damit müssen bei der Beschreibung von Präpositionen Bedeutung und grammatische Form unterschieden, aber gemeinsam betrachtet werden. Die Art der Beziehung erklärt, welche kommunikative Funktion eine Präposition in einer Aussage erfüllt. Daraus lässt sich jedoch nicht immer ableiten, welchen Kasus sie verlangt, an welcher Stelle sie steht oder in welcher Form sie mit einem Artikel verbunden wird.
Ein Teil dieser grammatischen Eigenschaften lässt sich durch erkennbare semantische Muster erklären. Andere Eigenschaften sind historisch gewachsen und müssen als Bestandteil des deutschen Sprachsystems gelernt werden.
Zentrale Unterscheidung
Die Funktion der Präpositionen lässt sich aus dem menschlichen Bedürfnis erklären, wahrgenommene Beziehungen der Wirklichkeit sprachlich auszudrücken. Welche konkrete Präposition dafür verwendet wird und welche Kasusrektion, Stellung oder Verschmelzungsform mit ihr verbunden ist, wird dagegen durch das grammatische System des Deutschen bestimmt und ist teilweise historisch gewachsen.
Rückblick
Präpositionen werden häufig als kleine Wörter behandelt, die vor einem Nomen stehen und einen bestimmten Kasus verlangen. Eine solche Beschreibung erfasst jedoch vor allem ihre grammatische Form, nicht den Grund ihrer sprachlichen Funktion.
Die Wirklichkeit besteht nicht nur aus einzelnen Einheiten, Eigenschaften, Handlungen, Vorgängen und Zuständen. Diese stehen zugleich in vielfältigen Beziehungen und Zusammenhängen zueinander. Menschen nehmen solche Beziehungen wahr und können das Bedürfnis haben, sie sprachlich auszudrücken.
Präpositionen sind ein grammatisches Mittel, mit dem solche Beziehungen dargestellt und präzisiert werden können:
Der Mann spaziert im Park.
Der Mann spaziert mit seiner Frau im Park.
Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.
Trotz des Regens gehen wir spazieren.
Präpositionen können unter anderem räumliche, zeitliche, modale, kausale, finale, konzessive und vergleichende Beziehungen ausdrücken.
Von dieser inhaltlichen Funktion muss die grammatische Form unterschieden werden. Dazu gehören insbesondere die Kasusrektion, die Stellung der Präposition und mögliche Verschmelzungen mit dem bestimmten Artikel. Diese Eigenschaften folgen dem grammatischen System des Deutschen und sind zum Teil historisch gewachsen.
Damit lassen sich bei Präpositionen zwei grundlegende Fragen unterscheiden:
Welche Beziehung soll sprachlich ausgedrückt werden?
und:
Welche grammatische Form verwendet das Deutsche, um diese Beziehung auszudrücken?
Die erste Frage betrifft Funktion und Bedeutung, die zweite Kasusrektion, Stellung und Formbildung. Beide Ebenen gehören zusammen, dürfen aber nicht miteinander verwechselt werden.
Leitsatz des Kapitels
Nicht die Liste der Präpositionen steht am Anfang, sondern die Beziehung, die der Mensch in der Wirklichkeit erkennt und sprachlich ausdrücken möchte.
Autor: Khyal Aryubi
Version: 1.0
Veröffentlicht: 28.08.2026
Lizenz: CC BY-NC 4.0
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