Kapitel 6
Wie man schnell lernen kann
Immer wieder wurde ich gefragt, wie es mir gelungen war, in vergleichsweise kurzer Zeit umfangreiche und schwierige Themen zu erlernen.
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Wie viel Zeit ein Mensch benötigt, um sich ein neues Wissensgebiet zu erschließen, hängt von vielen Faktoren ab: vom Umfang und Schwierigkeitsgrad des Themas, vom vorhandenen Vorwissen, von der verfügbaren Zeit, von der Konzentration und nicht zuletzt von der Art und Weise, wie gelernt wird.
Unter günstigen Bedingungen gelang es mir manchmal, mich innerhalb von etwa 30 bis 40 Stunden intensiver Beschäftigung so weit in ein neues Themengebiet einzuarbeiten, dass ich seine grundlegenden Strukturen und Zusammenhänge verstand und anschließend selbstständig weiterarbeiten konnte.
Diese Zeitangabe ist jedoch kein allgemeiner Maßstab und erst recht kein Versprechen. Manche Themen erfordern wesentlich mehr Zeit, andere weniger. Auch Menschen lernen unterschiedlich und bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Entscheidend war für mich deshalb nicht, möglichst schnell zu lernen.
Ich wollte möglichst zielgerichtet lernen und unnötige Umwege vermeiden.
Aus meinen Erfahrungen entwickelten sich dabei einige Grundsätze, die mir immer wieder geholfen haben.
1. Das Lernziel festlegen
Bevor ich mit einem größeren Lernvorhaben beginne, stelle ich mir eine einfache Frage:
Was möchte ich am Ende tatsächlich wissen oder können?
Es macht einen Unterschied, ob ich ein Buch lediglich lesen, ein Thema grundsätzlich verstehen, eine Prüfung bestehen oder das Gelernte anschließend praktisch anwenden möchte.
Je klarer das Ziel ist, desto leichter lässt sich entscheiden, was wichtig ist, welche Inhalte zunächst zurückgestellt werden können und wie gründlich einzelne Bereiche bearbeitet werden müssen.
Dabei helfen Fragen wie:
- Welche Aufgaben möchte ich anschließend selbstständig lösen können?
- Welche Zusammenhänge möchte ich verstehen?
- Welche Fähigkeiten möchte ich erwerben?
- Woran kann ich erkennen, dass ich mein Lernziel erreicht habe?
Ein klares Lernziel gibt dem Lernprozess eine Richtung. Ohne ein solches Ziel besteht die Gefahr, viele Informationen aufzunehmen, ohne zu wissen, welche davon für die eigentliche Aufgabe wichtig sind.
In meinem eigenen Lernen stand häufig die Anwendung im Mittelpunkt. Wenn ich beispielsweise programmieren lernen wollte, genügte es mir nicht, ein Buch über eine Programmiersprache gelesen zu haben. Am Ende musste ich selbst ein funktionierendes Programm schreiben können.
Das bedeutet nicht, dass Lernen immer einen unmittelbaren praktischen Nutzen haben sollte. Menschen können natürlich aus Neugier, Freude oder persönlichem Interesse lernen.
Theoretisches Lernen sollte jedoch, wo immer es möglich ist, von praktischer Anwendung begleitet werden. Theorie, die nur aufgenommen, aber weder angewendet noch mit eigenen Erfahrungen verbunden wird, bleibt leicht abstrakt und kann schneller wieder verloren gehen. Erst durch die Anwendung wird sichtbar, ob das Gelernte tatsächlich verstanden wurde, und zugleich kann es sich tiefer und nachhaltiger festigen.
Deshalb gehören für mich Theorie und Praxis zusammen: Die Theorie hilft uns, Zusammenhänge zu verstehen; die Praxis hilft uns, dieses Verständnis zu überprüfen, zu vertiefen und dauerhaft verfügbar zu machen.
Je stärker Wissen mit eigenem Denken und Handeln verbunden wird, desto eher wird aus gelerntem Wissen wirklich verfügbares Wissen.
2. Große Aufgaben in kleine Schritte aufteilen
Ein umfangreiches oder schwieriges Thema kann auf den ersten Blick überwältigend wirken. Man sieht eine große Menge an Informationen und weiß oft nicht, wo man beginnen soll.
In solchen Situationen hat mir ein einfaches Prinzip immer wieder geholfen:
Das Große zunächst in kleine, überschaubare Teile zerlegen.
Statt zu versuchen, ein umfangreiches Thema auf einmal zu verstehen, teile ich es zunächst in kleinere Bereiche auf. Diese lassen sich wiederum in weitere Einheiten zerlegen, bis Lernschritte entstehen, die verständlich und bewältigbar sind.
Jeder dieser Schritte wird zunächst für sich betrachtet und verstanden. Erst danach gehe ich zum nächsten über.
Dabei ist jedoch etwas wichtig:
Das Zerlegen allein genügt nicht.
Wenn man ein Thema nur in Einzelteile zerlegt, besteht die Gefahr, am Ende viele einzelne Informationen zu kennen, ohne ihren Zusammenhang zu verstehen. Deshalb müssen die verstandenen Teile anschließend wieder miteinander verbunden werden.
Für mich besteht Lernen daher aus zwei Bewegungen:
vom Ganzen zu den Teilen – und von den Teilen wieder zurück zum Ganzen.
Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick über das gesamte Thema. Danach zerlege ich es in kleinere Einheiten und arbeite diese Schritt für Schritt durch. Schließlich füge ich das Gelernte wieder zusammen und frage mich:
Wie hängen diese einzelnen Teile miteinander zusammen?
Welche Aufgabe erfüllt jeder Teil innerhalb des Ganzen?
Was verstehe ich jetzt vom Gesamtthema, was ich vorher noch nicht erkennen konnte?
Genau dieses Vorgehen hatte sich bei mir in sehr unterschiedlichen Situationen bewährt – beim Lernen von Computerhardware ebenso wie beim Programmieren und später beim Erlernen sprachlicher Strukturen.
Dabei sollte der nächste Schritt weder zu groß noch unnötig klein sein.
Ist er zu groß, kann er überfordern. Ist er zu klein, kann der Zusammenhang verloren gehen und das Lernen unnötig langsam werden. Deshalb sollte man den Schwierigkeitsgrad so wählen, dass der nächste Schritt eine Herausforderung darstellt, aber noch bewältigt werden kann.
Mit zunehmendem Verständnis können auch die Lernschritte größer werden.
Erfolgreiches Lernen bedeutet für mich deshalb nicht, einen großen Berg mit einem einzigen Sprung überwinden zu wollen. Man geht Schritt für Schritt – verliert dabei aber den Gipfel nicht aus den Augen.
3. Gründlich recherchieren und gezielt auswählen
Bevor ich mich intensiv mit einem neuen Thema beschäftige, versuche ich zunächst herauszufinden, welche Informationen und Quellen dafür zur Verfügung stehen.
Dazu können Fachbücher, wissenschaftliche Veröffentlichungen, seriöse Internetquellen, Gespräche mit Fachleuten und heute auch Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz gehören.
Dabei gilt für mich jedoch ein wichtiger Grundsatz:
Viele Informationen bedeuten noch nicht automatisch gutes oder zuverlässiges Wissen.
Quellen können unterschiedlich aktuell, vollständig und zuverlässig sein. Manche widersprechen einander, andere betrachten dasselbe Thema aus verschiedenen Perspektiven. Auch eine überzeugend formulierte Antwort muss nicht unbedingt richtig sein.
Deshalb sollte man Informationen nicht einfach übernehmen, sondern sie vergleichen und – besonders bei wichtigen oder zweifelhaften Aussagen – überprüfen.
Das gilt auch für Künstliche Intelligenz. Sie kann sehr hilfreich sein, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, Fragen zu formulieren, schwierige Zusammenhänge verständlicher darstellen zu lassen oder Hinweise auf weitere Themen zu erhalten. Ihre Antworten sollten jedoch nicht ungeprüft als gesicherte Tatsachen übernommen werden.
Am Anfang einer Recherche geht es mir ohnehin noch nicht darum, jedes Detail zu verstehen.
Ich möchte zunächst die Landschaft des Wissens kennenlernen:
Welche Hauptbereiche gibt es?
Welche Begriffe tauchen immer wieder auf?
Welche Themen hängen miteinander zusammen?
Welche Quellen erscheinen besonders wichtig und zuverlässig?
Erst wenn dieses erste Gesamtbild entstanden ist, beginne ich gezielt auszuwählen.
Dabei frage ich mich:
- Welche Inhalte benötige ich unbedingt, um die Grundlagen zu verstehen?
- Welche Bereiche sind für mein Lernziel besonders wichtig?
- Was genügt zunächst in groben Zügen?
- Welche Einzelheiten kann ich später vertiefen?
- Welche Aussagen sollte ich anhand weiterer Quellen überprüfen?
Diese Auswahl ist für mich ein wesentlicher Bestandteil effizienten Lernens.
Denn nicht jede verfügbare Information ist für das eigene Lernziel gleich wichtig. Wer versucht, von Anfang an alles mit derselben Gründlichkeit zu lernen, kann viel Zeit verlieren und dabei den Überblick über das Wesentliche verlieren.
Gründlich zu lernen bedeutet deshalb nicht, unterschiedslos alles zu lernen. Es bedeutet auch, Wichtiges von weniger Wichtigem unterscheiden zu können.
Nachdem ich die wesentlichen Bereiche ausgewählt habe, arbeite ich sie schrittweise gründlicher durch. Dabei verbinde ich neue Informationen mit dem bereits vorhandenen Gesamtbild und überprüfe immer wieder, ob sich mein bisheriges Verständnis bestätigt oder verändert werden muss.
Besonders wichtige Inhalte sollten dabei, wo immer es möglich ist, nicht nur gelesen oder gehört, sondern auch angewendet werden.
Denn wie wir bereits gesehen haben, sollte theoretisches Lernen von eigener Auseinandersetzung und praktischer Anwendung begleitet werden. Dadurch lässt sich nicht nur erkennen, ob etwas tatsächlich verstanden wurde; das Gelernte kann sich auch besser festigen.
Recherchieren bedeutet für mich deshalb nicht, möglichst viele Informationen anzusammeln. Es bedeutet, sich zu orientieren, Quellen kritisch zu prüfen, das Wesentliche auszuwählen und daraus Schritt für Schritt ein verlässliches Verständnis aufzubauen.
4. Konzentriert lernen
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für wirkungsvolles Lernen ist für mich die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Wenn ich mich entschieden habe, eine bestimmte Zeit dem Lernen zu widmen, versuche ich, störende Einflüsse so weit wie möglich auszuschalten.
Der Fernseher bleibt aus, die Tür kann geschlossen werden, das Mobiltelefon wird stummgeschaltet oder außer Reichweite gelegt, und andere vermeidbare Unterbrechungen werden möglichst vorher beseitigt.
Der Grund dafür ist einfach:
Jede Ablenkung unterbricht nicht nur die Arbeit, sondern auch den Gedankengang.
Gerade bei schwierigen Themen braucht man häufig einige Zeit, bis man sich gedanklich in einen Zusammenhang hineingearbeitet hat. Wird dieser Prozess ständig unterbrochen, muss man sich immer wieder neu orientieren und erneut in das Thema hineinfinden.
Deshalb bevorzuge ich zusammenhängende Phasen konzentrierten Arbeitens.
Das bedeutet jedoch nicht, möglichst viele Stunden ohne Pause durchzuarbeiten.
Eine bewusste Pause ist keine Ablenkung.
Wenn die Konzentration nachlässt, kann eine Pause helfen, sich zu erholen und anschließend wieder aufmerksam weiterzuarbeiten. Auch Schlaf und zeitlich verteilte Wiederholungen gehören zu einem nachhaltigen Lernprozess.
Entscheidend ist für mich daher nicht, möglichst lange vor einem Buch oder Bildschirm zu sitzen, sondern die verfügbare Lernzeit wirklich zum Lernen zu nutzen.
Dabei lohnt es sich auch, die Bedingungen des Lernens bewusst zu gestalten.
Ich frage mich beispielsweise:
- Wie kann ich den Stoff übersichtlicher ordnen?
- Welche Hilfsmittel sollte ich bereitlegen, bevor ich beginne?
- Welche Beispiele könnten mir einen schwierigen Zusammenhang verständlicher machen?
- Welche Übungen helfen mir zu überprüfen, ob ich etwas tatsächlich verstanden habe?
- Welche vermeidbaren Hindernisse kann ich bereits vor dem Lernen beseitigen?
Auch die Gestaltung des Lernens selbst spielt eine Rolle.
Ein unübersichtlicher Stoff kann durch eine grafische Darstellung verständlicher werden. Ein abstrakter Gedanke kann durch ein Beispiel anschaulicher werden. Eine theoretische Regel kann durch eine praktische Aufgabe überprüft werden.
Gutes Lernen bedeutet für mich deshalb nicht, sich möglichst lange oder möglichst mühsam mit einem Thema zu beschäftigen. Es bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen konzentriertes Denken möglichst gut gelingen kann.
Dabei habe ich noch etwas gelernt:
Konzentration lässt sich nicht erzwingen, indem man sich ständig selbst unter Druck setzt. Sie wird leichter, wenn das Ziel klar ist, die Aufgabe bewältigbar erscheint und man weiß, was als Nächstes zu tun ist.
Deshalb hängen viele der bisher genannten Prinzipien miteinander zusammen. Ein klares Lernziel gibt die Richtung vor. Das Aufteilen einer großen Aufgabe macht sie überschaubar. Eine gute Recherche schafft Orientierung. Und eine störungsarme Umgebung ermöglicht schließlich, die eigene Aufmerksamkeit auf die Aufgabe zu richten.
Konzentriertes Lernen bedeutet also nicht einfach, Ablenkungen auszuschalten. Es bedeutet, die eigene Aufmerksamkeit bewusst auf einen klaren und bewältigbaren Lernschritt zu richten.
5. Eine bewusste Entscheidung treffen
Bevor ich ein größeres Lernvorhaben beginne, halte ich es für wichtig, eine bewusste Entscheidung zu treffen.
Ein anspruchsvolles Ziel verlangt Zeit, Energie, Geduld und häufig auch den Verzicht auf andere Dinge. Deshalb sollte man sich vorher fragen:
Will ich dieses Ziel wirklich erreichen, und bin ich bereit, den notwendigen Einsatz dafür zu leisten?
Diese Frage sollte man möglichst ehrlich beantworten.
Es ist nichts Falsches daran, sich gegen ein Lernvorhaben zu entscheiden, wenn der Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum persönlichen Ziel steht oder andere Aufgaben wichtiger sind.
Problematisch wird es jedoch, wenn man beginnt, ohne sich wirklich entschieden zu haben.
Dann begleiten einen während des Lernens immer wieder dieselben Fragen:
Schaffe ich das überhaupt?
Bin ich dafür geeignet?
Ist das nicht zu schwierig für mich?
Lohnt sich der ganze Aufwand?
Solche Zweifel sind menschlich und lassen sich nicht einfach verbieten. Sie können sogar hilfreich sein, wenn sie auf ein tatsächliches Problem aufmerksam machen.
Doch wenn dieselben Zweifel ständig wiederkehren, beanspruchen sie Aufmerksamkeit und Kraft, die für das eigentliche Lernen gebraucht werden.
Deshalb versuche ich, die grundsätzliche Entscheidung vor dem Beginn zu treffen.
Wenn ich mich nach sorgfältiger Überlegung für ein Lernziel entschieden habe, richte ich meine Aufmerksamkeit zunächst nicht mehr auf die Frage:
„Soll ich das überhaupt schaffen können?“
Sondern auf die wesentlich praktischere Frage:
„Was ist der nächste Schritt, den ich jetzt gehen kann?“
Das verändert den Blick auf eine schwierige Aufgabe.
Statt ständig das gesamte Ziel und alle damit verbundenen Schwierigkeiten vor Augen zu haben, konzentriert man sich auf den nächsten bewältigbaren Schritt.
Natürlich bedeutet eine einmal getroffene Entscheidung nicht, dass man niemals umdenken darf.
Wenn sich die Voraussetzungen grundlegend verändern, neue Informationen hinzukommen oder sich herausstellt, dass ein Ziel nicht mehr sinnvoll ist, sollte man seine Entscheidung überprüfen können.
Entschlossenheit bedeutet für mich nicht Starrheit.
Sie bedeutet, ein bewusst gewähltes Ziel nicht bei jeder Schwierigkeit sofort wieder infrage zu stellen.
Gerade beim Lernen gibt es Phasen, in denen etwas nicht gelingt, die Fortschritte langsamer werden oder man vorübergehend das Gefühl hat, überhaupt nicht weiterzukommen. Wer in solchen Augenblicken jedes Mal die Grundsatzentscheidung neu trifft, läuft Gefahr, gerade dann aufzugeben, wenn Ausdauer notwendig wäre.
Meine Erfahrung hat mir deshalb gezeigt:
Erst überlegen, dann entscheiden – und nach der Entscheidung die Kraft möglichst auf den nächsten Schritt richten.
Zweifel können geprüft werden. Fehler können korrigiert werden. Der Lernweg kann verändert werden.
Aber solange das Ziel sinnvoll bleibt, sollte nicht jede Schwierigkeit zu einer neuen Entscheidung darüber führen, ob man überhaupt weitermacht.
Eine bewusste Entscheidung beseitigt Schwierigkeiten nicht. Sie hilft uns aber, unsere Energie für ihre Lösung einzusetzen, statt sie immer wieder für dieselbe Grundsatzfrage zu verbrauchen.
Rückblick
Schnell zu lernen bedeutet für mich nicht, möglichst viele Informationen in möglichst kurzer Zeit aufzunehmen. Es bedeutet auch nicht, schwierige Lernschritte zu überspringen oder auf Gründlichkeit zu verzichten.
Schnelles Lernen bedeutet für mich vor allem, unnötige Umwege zu vermeiden.
Wer sein Lernziel kennt, kann gezielter entscheiden, welche Inhalte wichtig sind. Wer sich zunächst einen Überblick verschafft, verliert sich weniger leicht in Einzelheiten. Wer große Aufgaben in überschaubare Schritte zerlegt, kann Schwierigkeiten nacheinander bewältigen. Wer Informationen kritisch auswählt, Zusammenhänge erkennt und konzentriert arbeitet, nutzt seine Lernzeit wirkungsvoller.
Dabei bleibt Lernen immer ein individueller Prozess. Menschen unterscheiden sich in ihren Vorkenntnissen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Interessen und Lebensbedingungen. Auch Umfang und Schwierigkeit eines Lerngebietes spielen eine entscheidende Rolle.
Wenn ich davon spreche, dass es mir unter günstigen Bedingungen manchmal gelang, mir ein neues Themengebiet innerhalb von etwa 30 bis 40 Stunden intensiver Beschäftigung grundlegend zu erschließen, dann beschreibe ich damit meine persönliche Erfahrung. In manchen Fällen benötigte ich sogar weniger Zeit, in anderen mehr.
Diese Zahl ist deshalb weder eine allgemeine Regel noch ein Maßstab für andere Menschen.
Die entscheidende Erkenntnis lag für mich an einer anderen Stelle: Die Art und Weise, wie wir lernen, kann erheblichen Einfluss darauf haben, wie viel Zeit wir benötigen.
Mit den Jahren wurde mir zugleich immer deutlicher, dass Geschwindigkeit allein kein sinnvolles Lernziel sein kann.
Was nützt es, etwas schnell aufzunehmen, wenn es ebenso schnell wieder verloren geht?
Deshalb sollte theoretisches Lernen, wo immer es möglich ist, von eigenem Denken, Üben und praktischer Anwendung begleitet werden. Dadurch können wir überprüfen, ob wir etwas tatsächlich verstanden haben, und zugleich das Gelernte vertiefen und festigen.
Für mich gehören deshalb Geschwindigkeit, Verständnis und Nachhaltigkeit zusammen.Gut zu lernen bedeutet nicht, möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Es bedeutet, einen möglichst klaren, systematischen und sinnvollen Weg dorthin zu finden – und das Gelernte so zu verstehen, dass man damit weiterarbeiten kann.
Autor: Khyal Aryubi
Version: 1.0
Veröffentlicht: 24.08.2029
Lizenz: CC BY-NC 4.0
Ihre Gedanken zu diesem Kapitel
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Sehen Sie etwas anders oder möchten Sie einen Gedanken ergänzen? Kritik, Fragen und konstruktive Vorschläge sind ausdrücklich willkommen.
Rückmeldung geben