Vorwort

Es gibt Bücher, die aus wissenschaftlicher Forschung entstehen. Andere beruhen auf jahrelangen Literaturstudien oder dem Wunsch, ein bestimmtes Fachgebiet systematisch darzustellen.

Dieses Buch hat einen anderen Ursprung.

Es ist aus einem langen Leben des Lernens entstanden – aus Erfahrungen, Beobachtungen, Erfolgen, Fehlern und Niederlagen. Vieles, was auf den folgenden Seiten beschrieben wird, habe ich nicht zuerst in Büchern gefunden, sondern im Unterricht, in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern, in der Zusammenarbeit mit Lehrkräften und vor allem in der Auseinandersetzung mit den eigenen Irrtümern.

Die Gedanken dieses Buches sind über viele Jahrzehnte hinweg gewachsen. Sie wurden immer wieder geprüft, verändert, verworfen und weiterentwickelt. Erst später stellte ich fest, dass sich manche meiner praktischen Erfahrungen mit Erkenntnissen der modernen Lernforschung decken. Das hat mich gefreut. Dennoch versteht sich dieses Buch nicht als wissenschaftliche Abhandlung. Es ist vielmehr der Bericht eines Menschen, der sein Leben lang versucht hat zu verstehen, wie Lernen wirklich gelingt.

Ich habe dieses Buch auch nicht geschrieben, um eine Theorie zu vertreten oder ein weiteres Fachbuch zu veröffentlichen.

Der eigentliche Grund ist viel persönlicher.

Im Laufe meines Lebens durfte ich Erfahrungen sammeln, die vielen Menschen geholfen haben. Ich habe erlebt, wie Schülerinnen und Schüler, die sich selbst längst aufgegeben hatten, wieder Freude am Lernen fanden. Ich habe gesehen, wie sich Menschen entwickelten, wenn sie lernten, selbstständig zu denken, Fragen zu stellen und Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.

Immer wieder wurde ich gebeten, diese Erfahrungen aufzuschreiben. Lange Zeit habe ich gezögert. Vielleicht, weil der Alltag wichtiger erschien oder weil ich glaubte, später noch genügend Zeit dafür zu haben.

Doch irgendwann stellte ich mir eine einfache Frage:

Was geschieht mit all diesen Erfahrungen, wenn ich sie nicht weitergebe?

Der Gedanke, dass sie eines Tages mit mir verloren gehen könnten, ließ mich nicht mehr los. Das empfand ich als schade – nicht für mich, sondern für diejenigen, denen sie vielleicht hätten helfen können.

So entstand dieses Buch.

Es erhebt keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit. Auch ich habe mich geirrt, musste Ansichten korrigieren und aus Fehlern lernen. Deshalb wünsche ich mir nicht, dass meine Gedanken ungeprüft übernommen werden. Im Gegenteil: Ich lade Sie ein, sie kritisch zu hinterfragen, mit Ihren eigenen Erfahrungen zu vergleichen und dort weiterzudenken, wo dieses Buch endet.

Denn Lernen beginnt nicht mit fertigen Antworten. Es beginnt mit ehrlichen Fragen.

Wenn die folgenden Seiten dazu beitragen, dass Sie das Lernen besser verstehen, neue Freude am Denken gewinnen oder anderen Menschen auf ihrem Lernweg helfen können, dann hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt.

Meine eigenen Erkenntnisse begannen nicht mit einem Erfolg.

Sie begannen mit einer Niederlage.

Und genau dort beginnt auch dieses Buch.